Das Übersetzungsbüro an Schulen

Interview mit Dunja zu wertschätzender Kommunikation an Schulen

Das Schulprojekt

Das Übersetzungsbüro für Giraffensprache ist ein Gemeinschaftsprojekt der Trainerin für gewaltfreie Kommunikation Dunja Müller und Julia Grassinger.

Schule ist die wichtigste Zeit im Leben eines Menschen, wenn es darum geht, die Grundlagen für ein erfolgreiches, stabiles und gesundes Leben zu legen. Doch die Strukturen sind im Wesentlichen noch nicht an die Bediungen des Lebens im 21. Jahrhundert angepasst. Eine Erziehung zu Selbstverantwortung und die Vorbereitung zu einem Leben nach eigenen, gereiften Werten ist gerade in der Mittelschule eine große Herausforderung.
Zwischenmenschliche Konflikte und fehlende Kenntnisse um Techniken des „gut für sich selber Sorgens‘‘ erschweren den Weg der Schüler und ihrer erwachsenen Begleiter.
Die systemisch fundierte Gesprächsführung nach Marschall B. Rosenberg vermittelt die Grundlagen für selbstverantwortlichen und fairen Umgang mit sich selbst und anderen.
Durch die bewusste Wahrnehmung eigener Gefühle und das Ergründen der Bedürfnisse erlernen Schüler und Erwachsene die Verantwortung für diese selbst zu übernehmen und sich selbst damit auch ernst zu nehmen. Das ist die Grundlage für mehr Solidarität unter den Schülern, empathische Gesprächsführung auf Augenhöhe zwischen Erwachsenen und Kindern und die Reduzierung negativen Stresses bei allen Beteiligten.

 

 

Der Anfang

Am 2. Oktober 2015 ging‘s los: über 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kai e.V., dem Verein zur Förderung qualifizierter Nachmittagsbetreuung in Abensberg und der Region haben sich eingefunden zur Auftaktveranstaltung des Jahrestrainings „Gewaltfreie Kommunikation“ mit Dunja Müller und Julia Grassinger.Gemeinsam wurden die 4-Schritte wertschätzenden Sprechens erarbeitet und eingeübt, vor allem mit Beispielen aus dem beruflichen Alltag der Teilnehmenden. Wichtigste Prinzipien waren dabei die empathische Einfühlung als auch die wertschätzende Grundannahme: alle Gefühle und Bedürfnisse sind gut und erlaubt! Im Anschluss daran fand am 18. November das Lehrertraining statt. Aus dem Kreis der Teilnehmer kristallisierten sich dann die Klassleiter der im Jahresprojekt begleiteten Schüler heraus: Die beiden 5. Klassen mit Herrn Brucker und Herrn Selmaier sowie die 7a mit Frau Elsner.
Im Laufe des Schuljahres fanden etwa alle 2 Wochen Halbtagestrainings im Klassenverband statt. Im selben Rhythmus gab es auch ein Begleitprogramm für Erwachsene, das vor allem von Nachmittagsbetreuerinnen von Kai e.V. genutzt wurde und im Schwerpunkt zwischen Supervision, Themenspezifischen Trainings und dem Einüben konstruktiver Konfliktlösung wechselte. Ein bestbesuchter Trainingstag mit den Teilnehmerinnen war zum Themenschwerpunkt „Kinder und ADHS/ADS- Symptomatik“, der sehr gerne angenommen wurde.Bild68

 

Gewaltfreie Kommunikation – was ist das und warum ist es wichtig?

In unseren Workshops begleiteten wir unsere Teilnehmer dabei, ein praktisches Werkzeug für den Umgang in schwierigen Situationen zu erlernen und zu vertiefen. Gerade in unangenehmen Situationen fällt es oft schwer, das zu sagen, was man wirklich möchte. Schnell landet man bei altbewährten Strategien, wie: Recht haben wollen, den anderen herabwürdigen, unklar bleiben, verbal attackieren. Im Schulalltag kann das zu massiven Verwerfungen und großer, zuweilen auch gesundheitlicher Beeinträchtigung führen. Der Ansatz der Wertschätzenden Kommunikation gibt immer wieder die Chance, Konflikte dauerhaft zu lösen und Beziehungen innerhalb der Klassengemeinschaft, zwischen Lehrern, Schülern, den Sozialarbeitern und den Eltern zu verbessern. Durch das Erfahrungsbasierte Lernen, sprich das Durchspielen, Einordnen und Auflösen erlebter Situationen wird bei Schülern und Erwachsenen eine Referenzerfahrung erzeugt, auf die sie bei Bedarf wieder zurückgreifen können. Die einfachen und leicht erlernbaren 4 Schritte der Gewaltfreien Kommunikation können auch von Kindern bereits angewendet werden. Somit erhalten bereits die Kleinsten die Möglichkeit, aktiv an der Verbesserung ihres Schulklimas mitzuwirken und somit auch ihre eigenen Aussichten auf eine erfolgreiche Kommunikation zu steigern.

 

 

Ziele des Jahresprojekts

Die Konkreten Ziele, die sich die beiden Trainerinnen am Anfang des Schuljahres für die Durchführung setzten waren:
Die Teilnehmer sollten am Ende des Jahres in der Lage sein, die eigenen Gefühle wahr zu nehmen und anzusprechen, Beobachtungen von Bewertungen unterscheiden zu können, sowie eigene Bedürfnisse erkennen und in erfüllbare Anliegen auszudrücken zu lernen. Die Fähigkeit zur Empathie für sich selbst und andere, wertschätzender Umgang auch in Meinungsverschiedenheiten und das etablieren einer Win-Win – Kultur sollte als Maßstab für das Jahresprojekt dienen. In Bezug auf die Klasslehrer war das Ziel, die Lehrkräfte im Umgang mit Alltagskonflikten zu unterstützen die Kommunikation in der Klasse zu verbessern und dabei die eigenen Kraftressourcen auf lange Sicht gut einzuteilen. Die Schüler sollten langfristig unterstützt werden, ihre Konfliktkompetenz aufzubauen. Auch Feedbacktechniken und eine Kompetenz im Eintreten für eigene Bedürfnisse wurde berücksichtigt.Bild62

 

 

Die Methode & Durchführung

Der pädagogische Ansatz, diese Ziele zu erreichen, ergab sich aus den Qualifikationen der beiden Trainerinnen: Eine innovative Mischung aus Erfahrungsbasiertem Lernen und Gewaltfreier Kommunikation sollte die Schüler und Erwachsenen optimal einbinden. Spielerische Übungen waren zu Beginn eines Workshop Tages und zwischendurch eine willkommene Abwechslung. Ganzheitliches Training – auch im Sinne von „beide Gehirnhälften aktivieren“ waren die Hintergründe der gewählten Übungen. Manchmal ging es dabei allerdings auch laut zu! Hier ein Erfahrungsbericht von Dunja Müller:

„Mit den Klassen übten wir spielerisch – z.B. als Rollenspiele – wie sich manche Situationen anfühlen, was der Betreffende braucht und wie eine gute Lösung gefunden werden könnte. Hilfreich war dabei immer wieder das eigene Erleben von Alltagsbeispielen. Nach unseren Erfahrungen entstand meist sehr schnell eine vertrauensvolle Atmosphäre, in der so manche SchülerInnen sich trauten, unangenehmes anzusprechen.“
„In den Workshops hatten wir oft eine ‚Runde mit Giraffenmikrofon‘, z.B. mit der Frage: ‘was ist diese Woche gut gelaufen in meinem Leben?‘, wo jeder etwas sagen sollte. Zu Beginn der Workshops ist uns oft aufgefallen, dass manche nicht wussten was sie sagen sollten, oder sich viele an den Vorrednern orientierten und einfach das gleiche sagten. Im Laufe der Zeit haben wir beobachtet, dass immer mehr für sich selbst sprechen lernten – und wir haben erstaunlich differenzierte Antworten gehört, mit denen wir nicht gerechnet hatten.“

 

Lehrerfeedback

"Grundsätzlich möchte ich sagen, dass euer Training für meine Klasse durchaus eine Bereicherung ist. Meine Schüler gehen sehr gerne zu euch zum Sozialtraining, so mein
Gefühl. Am günstigsten finde ich es wenn ihr zu zweit seid. Mit mir zusammen können wir besser auf die Bedürfnisse der einzelnen Schüler eingehen bzw. versuchen einzugehen. Auch wenn ich in diesen beiden Stunden lieber eine eher beobachtende Rolle eingehen möchte, da es mir sonst eher weniger möglich ist meine Schüler aus dieser Perspektive zu sehen und auch auf einzelne einzugehen.... Ich war schon vorher motiviert und bin gerne in die Trainings gegangen....Einzelne Schüler haben sehr gute Beiträge geleistet. Es waren eher die sozial "Stärkeren", aber dennoch eine Überraschung..."

"Vielen, vielen Dank für eure Unterstützung in echten Krisensituationen zwischen den Schülern, da habe ich wirklich viel profitiert. Und ich glaube die ganze Klasse hat viel dazugelernt."

"...zunächst möchte ich mich für die fürsorgliche und verständnisvolle Zusammenarbeit bedanken. Ich erlebe das Training als unheimliche Bereicherung meines Schulalltages. Besonders in meiner Funktion... lässt es mich verschiedene klasseninterne Strukturen viel besser erkennen und auch verstehen... Sich Zeit zu nehmen und über etwas intensiv zu sprechen und auch zu reflektieren kommt im unterrichtlichen Geschehen viel zu kurz... An dieser Stelle möchte ich mich auch dafür bedanken, dass ihr so kleinschrittig und schülerorientiert vorgeht. Die Klasse erlebt im Allgemeinen das Training ebenfalls als Bereicherung. Meine Schüler gehen sehr gerne zu euch zum Sozialtraining, so mein Gefühl."

 

 

Wie es weitergehen wird

Das Jahresprojekt für das Schuljahr 2015/16 ist zu Ende. Auch weitere Schulen sind dem Vorbild der Mittelschule Abensberg gefolgt, um sich die positiven Effekte für ihren Schulalltag zu sichern. Wünschenswert sind ähnliche Folgeprojekte, um die Ergebnisse dieses Schuljahres zu verfestigen und auszuweiten. Mit Zentrum in Regensburg soll ein neues Kompetenznetzwerk Emotionale Bildung in Unterricht und Schule“ entstehen, das nicht nur die Konfliktlösungskompetenz der Schüler im Auge hat, sondern nachhaltige Burnout Prävention und Salutogenese für alle, die an dem Sozialen System Schule beteiligt sind. Die Schüler aus dem Jahresprojekt werden ihren Weg ins Leben machen – und vielleicht ein Stückchen reflektierter dabei sein. Sie werden eher mal nachdenken, was brauch' ich denn eigentlich wirklich? Und wie könnte ich es ansprechen?
Ihren Stimmen gehören die letzten Zeilen dieses Berichts:

Zitate aus dem Feedback der Schüler:
"Wir haben Gefühle besprochen und geschauspielert. Ich habe mich gut gefühlt, weil es schön ist, das zu hören, es hat mir Spaß gemacht. Da hab ich mich fröhlich gefühlt und erleichtert...ich möchte mich besser benehmen...es war schön mit euch und diese schöne Zeit war toll."

"Mir hat die Komplimentendusche am besten gefallen, da war ich aufgeregt. Der Power-Burger war auch toll."(das ist eine Möglichkeit, Feedback zu geben)

"Ich hab mich gefühlt wie ein lebendiger Mensch. Im Training hab ich mich oft besser gefühlt als sonst. Es sind viele schöne Sachen passiert, wie z.B. wie man Streit lösen
kann... Danke Dass ihr uns soviele schöne Sachen beigebracht habt."

"Die Komplimentendusche war cool, weil man sich in diesen Momenten besonders fühlt... Das Schauspielern hat echt Spaß gemacht – und gelöst haben wir auch viele Sachen, auch, dass jeder 'rausgelassen hat, was er von dem anderen möchte...ich raste nicht mehr so schnell aus und versuche den anderen zu verstehen."

"Ich habe mich froh gefühlt, weil ich was lernen konnte ich habe von euch sehr viel gelernt und danke für alles."

 

Danke an

Unser herzliches Dankeschön für die Mithilfe und das Ermöglichen des Jahresprojektes gilt Lisa und Robert Faltermeier von Kai e.V., die das gesamte Projekt verantwortlich mitgetragen haben, Elisabeth Geschka, die die erste Ideengeberin für alles war, Markus Stiegler, für die vertrauensvolle Zusammenarbeit in der Schule, sowie allen beteiligten Lehrern und Schülern, die so gut mitgearbeitet haben, allen beteiligten Eltern sowie den weiteren Mitarbeitern von Kai e.V. Auch allen großzügigen Spendern und Sponsoren, die das Ganze finanziell ermöglicht haben: Allen voran den zahlreichen Spendern von Betterplace, dem Gesundheitsamt Kelheim, der Sparkasse Abensberg, der Stadt Abensberg, dem Jugendbeirat Abensberg, der Josef Stanglmeier Stiftung, der Bürgerstiftung Abensberg sowie dem Amtsgericht Kelheim: Dieses hat Bußgelder, die aus Gewaltdelikten zusammengekommen waren, in unser Projekt „Gewaltfreie Kommunikation in der Schule“ umgeleitet.
Herzlichen Dank!

 

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